Fünf Fragen an Sebastian Gröber: Was meinen Sie?

Für Fotografen und andere Bildschaffende wird es zunehmend schwierig, von dieser Arbeit zu leben oder die Hobbyausgaben zu finanzieren. Stellt man die Frage „Was ist Kunst?“ finden selbst Experten selten eine befriedigende Antwort. Lautet die Frage jedoch „Was ist Kunst wert?“, heißt es oft lapidar „Kunst ist genau so viel wert wie jemand bereit ist, dafür auszugeben“.

Wir befragen Fotografen, Künstler und andere Kreative zu ihrer kreativen Arbeit und möchten wissen, wie sie die aktuelle Situation und Zukunft der Kreativschaffenden bewerten.

Ein Kurzinterview mit Sebastian Gröber (Fotograf)

Sebastian Gröber
Sebastian Gröber (Copyright: Hannes Kroneberger www.durchdensucher.de)

Herr Gröber, stellen Sie sich bitte vor, dass ein Kurator der Tate Modern über einen veröffentlichten Kalender auf Sie aufmerksam geworden ist. Er möchte von Ihnen in wenigen Sätzen wissen, wie Sie Ihre künstlichere Arbeit beschreiben. Was würden Sie ihm sagen?

Sebastian Gröber: Ich würde ihm sagen, dass meine künstlerische Arbeit im Allgemeinen als unbefangen anzusehen ist. Ich richte mich vorwiegend nach meinem Geschmack und nicht nach vorherrschenden Paradigmen. Soll nicht heißen, dass ich diese als falsch ansehe, jedoch behindern sie manchmal meine Sicht auf die Dinge, wie ich sie gern gestalterisch festhalten möchte. Mein Ziel ist nicht die Kunstszene zu erobern, sondern mich kreativ auszuleben.

Was meinen Sie ist wichtiger für die lang anhaltende Karriere eines ambitionierten gestaltenden Künstlers? Frühe Anerkennung durch Kunstexperten oder schnelle Verkaufserfolge bei Medien bzw. künstlerischen Laien?

Sebastian Gröber: Jemanden, der eine lang anhaltende Karriere als freischaffender Künstler plant, würde ich beides nahelegen. Niemand wird auf einen aufmerksam, wenn man sich in der heutigen Zeit nicht den Medien – insbesondere dem Internet – widmet. Es gibt so unglaublich viele talentierte junge Menschen, die Erstaunliches produzieren, auf die jedoch nie ein Kurator aufmerksam wird. Der Erfolg liegt in den Bemühungen, die man anstellt. Schafft man Einzigartiges und bleibt stets mit neuen Ideen am Ball, so klappt es meiner Meinung nach auch ohne Kunstexperten.
Ich bin jedoch auch der Meinung dass schneller Verkaufserfolg nicht immer positiv ist. Man fängt an Masse statt Klasse zu produzieren und richtet sich viel zu sehr danach, was Leute kaufen und nicht nach dem, was der eigene Kopf für Ideen zur Welt bringt. Erfolg steigt einem zu Kopf und man legt sich immer mehr sündhaft teures Equipment zu, was der Kreativität am Ende im Wege steht. Das Wichtigste ist Einzigartigkeit, ob für Laie oder Kunstexperte, die aus der breiten Masse hervorsticht. Das ist für lang anhaltenden Erfolg essentiell.

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Bild: Sebastian Gröber

Welche künstlerischen Vorbilder haben Sie? Was meinen Sie, war deren Schlüssel zum Erfolg? Was wenden Sie davon bereits an?

Sebastian Gröber: Schwer zu sagen. Ich habe viel Zeit damit verbracht Bilder im Internet anzusehen und zu bewundern, anstatt selbst mit der Kamera in die Welt zu ziehen. Ich mache das natürlich immer noch gern, mir die wundervollen Werke anderer anzusehen, jedoch lasse ich mich immer weniger davon beeinflussen.
Wenn ich wirklich außergewöhnliche Künstler nennen müsste, die ich sehr, sehr gern medial verfolge, so würde ich Ian Ruther, Sally Mann, und Alex Timmermans anführen. Diese sind, obwohl sie von derselben Aufnahmetechnik profitieren, sehr unterschiedlich und sehr speziell in ihren Sichtweisen, was mir sehr imponiert. Und definitiv nicht zu vergessen: Tim Rudman, der durch angewandte Wissenschaft – in dem Fall Chemie/Physik – grandiose Werke schafft.

Inwieweit verbessern innovative Vermarktungsplattformen für Bilder (z.B. Stockfoto-Agenturen) die Möglichkeiten der Kreativen entdeckt und anerkannt zu werden?  

Sebastian Gröber: Ich denke, dass mittlerweile das Handwerkliche wieder in den Vordergrund rückt. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit einem Marktstand auf bürgerlichen Volksfesten mit Handabzügen in Passepartout und Rahmen mehr Erfolg hat als mit Online-Angeboten von Prints, die man noch nicht live gesehen bzw. in der Hand gehalten hat. Erst dann spürt man die wahre Qualität dieser Kunstwerke. Ob es jedoch schneller geht, wage ich zu bezweifeln. 

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Bild: Sebastian Gröber

Noch eine Frage in eigener Sache: Haben Sie die Veröffentlichung und den Verkauf von Kalendern als Einnahmequelle für sich in Erwägung gezogen?

Sebastian Gröber: Meine Bilder sind ein reines Hobbyprodukt. Mein Interesse damit Geld zu verdienen, hält sich in Grenzen. Aber ein Hobby muss schließlich auch finanziert werden, insbesondere wenn man sich nicht auf digitale Kunst einlassen mag. Fotopapier, Chemie und Equipment sind nicht billig. Man könnte drüber nachdenken.

Weiterführende Informationen zu Sebastian Gröber:
Website: www.groeber-photo.com

 

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