Landschaften halten einfach still :) – ein Interview mit Steffani Lehmann

CALVENDO-Autorin Steffani Lehmann fotografiert am liebsten Landschaften, denn die „halten einfach still“. Ihre wunderbaren Aufnahmen sind in zahlreichen Kalendern zu sehen, wobei sie glücklicherweise nicht davor zurückschreckt, sich auch in anderen Themenbereichen zu versuchen. Mit Erfolg!

Wir freuen uns, Ihnen Steffani Lehmann heute im Rahmen unserer Interviewreihe vorstellen zu dürfen.

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Steffani Lehmann (© privat)

Liebe Frau Lehmann, wie hat sich Ihre Leidenschaft für die Fotografie entwickelt?

Meine Mutter fotografiert leidenschaftlich gerne, schon als kleines Mädchen habe ich mich daher für Fotografie interessiert. Als ich acht Jahre alt war, gab sie mir einfach mal ihren „Klicki“ und einen Kleinbildfilm mit 12 Bildern – und war ganz erstaunt, als ich nach einer halben Stunde aus dem Garten zurück kam und sagte, dass der Film voll sei.
Auch mein Vater fotografiert gerne und viel. Er hatte sogar eine eigene Dunkelkammer, in der ich oft helfen durfte. Doch Fotografieren war damals ein exklusives Hobby. Und mein Vater wollte mir seine teure Canon Spiegelreflexkamera einfach nicht geben. Also habe ich sie ab und zu heimlich genommen, wenn wir im Urlaub waren, und ein paar Landschaftsfotos gemacht – um mich zu Hause königlich zu amüsieren, wenn meine Eltern darüber diskutierten, wer von ihnen beiden denn nun dieses schöne Foto gemacht hat.
Nach jahrelangem Jammern bekam ich dann endlich zu meinem 18. Geburtstag meine erste eigene analoge Spiegelreflexkamera, eine Exakta. Fünf Jahre später kaufte ich mir meine eigene Canon, eine EOS 605.

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Steffani Lehmann: Butjadingen 2016 – Impressionen zwischen Jade und Nordsee

Welches sind Ihre Themenschwerpunkte? Was reizt Sie daran?

Ich fotografiere am liebsten Landschaften, das war schon immer so. Menschen zu fotografieren war mir schnell zu umständlich, irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass die nicht so gucken, wie ich es gerne hätte. Sie dann zu korrigieren, war mir damals schon schlicht zu mühsam. Landschaften halten einfach still, man kann sich in ihnen bewegen, ohne irgendwelche Einwände und Diskussionen, um andere Blickwinkel zu suchen oder eine bestimmte Stimmung des Sonnenlichtes abzuwarten.

Warum haben Sie auch Kalender als Veröffentlichungsart für Ihre Fotos gewählt? Was gefällt Ihnen an dieser Möglichkeit des Publizierens am meisten?

Das war reiner Zufall. Ich bin als Literaturkritikerin tätig und bespreche in diesem Rahmen auch Kalender. Da die Anzahl der Kalenderverlage in Deutschland überschaubar ist, stolperte ich irgendwann über den Calvendo Verlag. Dann hat es aber doch noch zwei Jahre gedauert, bis ich mich getraut habe, selbst ein eigenes Projekt einzureichen.

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Steffani Lehmann: Marinas 2016 – Impressionen deutscher Sportboothäfen

Was bedeutet Self Publishing für Sie? Wie definieren Sie „Self Publishing“?

Self Publishing bedeutet für mich, eigenverantwortlich kreativ sein und publizieren zu können. Dabei habe ich einen verlässlichen Partner an meiner Seite, der mich begleitet, mir Dinge abnimmt, aber natürlich auch an mir und meiner Arbeit mitverdient.

Machen Sie inzwischen gezielt Fotos für Kalender?

Ja, besonders für die Kalender mit regionalem Bezug gehe ich ganz bewusst zu bestimmten Jahres- und Uhrzeiten los, um Fotos zu machen, damit ich einfach eine große Auswahl an verschiedenen Motiven habe. Leider hat es dieses und letztes Jahr hier an der Nordseeküste nicht richtig geschneit – mir fehlen also tatsächlich Motive mit Schnee. Daher hoffe ich dieses Jahr auf einen langen, kalten Winter.

Gibt es zu einem Ihrer Kalender eine Geschichte, die Sie mit uns teilen möchten?

Ich liebe Hortensien. Letztes Jahr im Juni machte ich einige Hortensienfotos, um daraus Briefkarten für meine Mutter zu machen. Ich war davon überzeugt, dass es bestimmt etliche Hortensienkalender gibt, es gibt ja schließlich auch -zig Rosenkalender und Blumenkalender im Allgemeinen. Irgendwann habe ich das dann aber doch recherchiert – und stellte erstaunt fest, dass es keinen einzigen Hortensienkalender gab, bei Calvendo nicht und bei anderen Verlagen auch nicht. Also habe ich nochmals ein ganzes Wochenende lang alle Hortensienbüsche im Umkreis von 30 km fotografiert, die schönsten ausgesucht und den Kalender eingereicht. Innerhalb von einer Stunde erhielt ich die Mail: „Herzlichen Glückwunsch, Ihr Projekt wird publiziert“ – ohne irgendwelche Einwände wurde mein Kalender von der Jury bestätigt. Ehrlich gesagt war ich da doch ein wenig stolz auf mich…

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Steffani Lehmann: Hortensien 2016 – Farbenprächtige Impressionen aus dem Garten

Haben Sie einen Bestseller? Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Verkäufen?

Ich hoffe, dass mein Kalender „Oktoberfest 2016 – Impressionen von der Wiesn in München“ ein Bestseller wird. Immerhin habe ich für diesen Kalender einiges investiert, denn die Fotos von den feschen Mädels im Dirndl gab es nicht umsonst… Von mir aus sind es fast 1.000 km zum Oktoberfest, ich kann also nicht mal eben einen Nachmittag vorbeifahren und ein paar Fotos machen. Da es aber keinen schönen Oktoberfestkalender gab, habe ich Fotos eingekauft, diese überarbeitet, konzipiert und daraus einen Kalender gestaltet. Erstmals bin ich also als Herausgeberin tätig – auch ein schönes Gefühl!
Ich freue mich über jeden einzelnen Kalender, der verkauft wird, ob es nun 5, 50 oder 500 sind. Da keiner seine genauen Abverkäufe auf Nachfrage verrät, was typisch deutsch ist, habe ich schlicht keine Vergleichszahlen, an denen ich mich messen kann – vielleicht aber auch besser so. Ich bestreite meinen Lebensunterhalt nicht vom Verkauf der Kalender, weswegen ich vermutlich deutlich entspannter bin, was Verkaufszahlen angeht, als andere.

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Steffani Lehmann: Oktoberfest 2016 – Impressionen von der Wiesn in München

Was hat Sie bei CALVENDO am meisten überzeugt? Wo sehen Sie die Vorteile von CALVENDO?

Ich arbeite schon lange im Literaturbetrieb und finde es erschütternd, wie oft Bücher nach einiger Zeit verramscht werden, selbst hervorragende Bildbände sind davor nicht gefeit. Dass hier nicht „auf Halde“ produziert wird, finde ich unter Umweltaspekten wirklich genial! Das wird nur leider seitens des Verlages viel zu wenig nach außen transportiert, dass der Herstellungsprozess nämlich erst nach der Bestellung in Gang gesetzt wird, dafür aber nichts umsonst produziert wird.

Ich bin keine Profifotografin, daher ist es für mich ein gutes Gefühl, dass Calvendo mich unterstützt und mir einiges abnimmt. Diese Sicherheit schätze ich sehr, allerdings wünsche ich mir vor allem in Sachen Fotorecht noch mehr Unterstützung seitens Calvendo.

Was ist Ihrer Meinung nach verbesserungswürdig?

Ich wünsche mir manchmal einen direkten Draht zur Jury. Wenn man stundenlang an einem Kalender arbeitet und dieser dann abgelehnt wird, ist das sehr frustrierend. Ich fände es gut, wenn es die Möglichkeit gäbe, schon vorher mit einer Idee vorstellig zu werden und ein kurzes Feedback zur Einschätzung der Markttauglichkeit zu erhalten. Dann ist die investierte Zeit jedenfalls nicht umsonst.

Die beiden eigenen Schriften von Calvendo finde ich sehr schön und arbeite mit beiden sehr gerne. Leider ist die Calvendo elegant-Schrift zu klein – was die Jury auch zu vergessen scheint, wenn sie darum bittet, den Titel größer zu machen, es aber einfach nicht mehr geht. In Sachen Schrift und Gestaltungselemente würde ich mir noch mehr Auswahl wünschen.

Und ich finde, dass jeder von seinem Kalender ein kostenloses Belegexemplar erhalten sollte, wenigstens als lose Blattsammlung im Din A4-Format!

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Steffani Lehmann: Ebbe und Watt 2016 – Impressionen von der Nordseeküste

Wie gehen Sie bei der Vermarktung Ihrer Kalender vor? Welche Kanäle und Möglichkeiten nutzen Sie, um Ihre Kalender zu vermarkten?

Mein beruflicher Werdegang ist hier von Vorteil, denn ich habe Public Relations von der Pike auf gelernt. Das macht es mir natürlich etwas leichter als anderen mit den Themen PR und Marketing umzugehen.
Kalender mit regionalem Bezug zu vermarkten, finde ich vergleichsweise einfach, wobei ich es hier „auf dem Land“ natürlich noch besser habe, als wenn ich einen Hamburg-Kalender vermarkten muss. Die regionale Presse hat bisher jedes Jahr über einen meiner Kalender berichtet, hinzu kommt der Bürgerrundfunk der Wesermarsch, in dem ich meine Kalender auch vorstellen kann. Außerdem sind mir die regionalen Buchhändler sehr gewogen, da sie meine Kalender gut finden – das ist schon die halbe Miete.
Bei überregionalen Kalendern ist es weitaus schwieriger, denn jeder Redakteur bekommt am Tag -zig E-Mails mit irgendwelchen Sachen, die er doch seinen Lesern oder Hörern vorstellen soll. Ich versuche ohne Streuverluste zu arbeiten, meinen Hortensien-Kalender vermarkte ich nur in den Gartenredaktionen, meinen Tee-Kalender nur in den Food-Redaktionen.
Ich fertige inzwischen von jedem meiner Kalender ein Video an und stelle es auf youtube ein. Außerdem veröffentliche ich diese Videos auf meiner eigenen Facebookseite.
Sicherlich könnte man noch viel mehr machen, aber der Faktor Zeit spielt hier eine Rolle, denn ich bin keine hauptberufliche Fotografin.

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Steffani Lehmann: Blåvand 2016 – Impressionen von Dänemarks Nordseeküste

Welche Tipps können Sie anderen Kreativen geben?

Ich habe die Katalogseite von Calvendo einfach mal ein wenig „aufgehübscht“, von Frau Böhme, der Marketingexpertin von Calvendo, absegnen lassen und hänge diese Seite als Farbausdruck beispielsweise an Stellen, wo Touristen meinen Hinweis sehen können. Das ist einfach aber effektiv und nicht so kostenintensiv. Bei den Themen ist die Liste, die Calvendo veröffentlicht, ein guter Leitfaden, anhand derer man auch eigene Ideen entwickeln kann. Ansonsten sage ich nur: Augen auf, ein Gespür für Trends und Themen haben und mit Kommissar Zufall zusammen ergeben sich manchmal ganz tolle Projekte…

Wovon raten Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen ab?

Ich würde keine teuren Anzeigen in Zeitungen oder Zeitschriften schalten. Die Kosten sind im Verhältnis zum Erfolg nicht tragbar. Und wenn eine Redaktion von einem Produkt überzeugt ist und es hundertprozentig zur Leserzielgruppe passt, wird es auch ohne eine teure Anzeige vorgestellt. Auch auf das Drucken von teuren Flyern würde ich verzichten. Das lohnt sich bei dem Verdienst am Kalender meistens nicht.

Haben Sie schon einmal eine eigene Ausstellung mit Ihren Bildern und/oder Kalendern organisiert?

Es gibt jemanden, der daran interessiert ist, meine Bilder auszustellen. Dieses Projekt steht aber noch ganz am Anfang. Wenn es soweit ist, werde ich es sicher in der Calvendo-Facebookgruppe bekannt geben.

Welche Projekte haben Sie noch in der Schublade liegen? Worauf können wir uns freuen?

Ich habe noch sechs große Kartons voll mit nicht digitalisierten Fotos – da ist einiges dabei, aus dem ich gerne einen Kalender machen würde. Außerdem habe ich Dias von meinem Großonkel von einer Reise nach Rom aus dem Jahr 1966 geerbt, daraus würde ich gerne auch etwas zaubern. Natürlich suche auch ich nach den weißen Flecken auf der Landkarte und den Nischen, die noch frei sind. Einfach ist das nicht – aber es gibt sie!

Weiterführende Informationen zu Steffani Lehmann:

Facebook: https://www.facebook.com/Steffani-Lehmann-985674134806379
Blog: http://kuestenkunst.blogspot.de/
CALVENDO-Galerie: http://www.calvendo.de/galerie/autor/steffani-lehmann

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