Fünf Fragen an Dirk Paessler: Was meinen Sie?

Für Fotografen und andere Bildschaffende wird es zunehmend schwierig, von dieser Arbeit zu leben oder die Hobbyausgaben zu finanzieren. Stellt man die Frage „Was ist Kunst?“ finden selbst Experten selten eine befriedigende Antwort. Lautet die Frage jedoch „Was ist Kunst wert?“, heißt es oft lapidar „Kunst ist genau so viel wert wie jemand bereit ist, dafür auszugeben“.

Wir befragen Fotografen, Künstler und andere Kreative zu ihrer kreativen Arbeit und möchten wissen, wie sie die aktuelle Situation und Zukunft der Kreativschaffenden bewerten.

Ein Kurzinterview mit Dirk Paessler (Fotograf)

Dirk Paessler
Dirk Paessler

Herr Paessler, stellen Sie sich bitte vor, dass ein Kurator der Tate Modern über einen veröffentlichten Kalender auf Sie aufmerksam geworden ist. Er möchte von Ihnen in wenigen Sätzen wissen, wie Sie Ihre künstlichere Arbeit beschreiben. Was würden Sie ihm sagen?

Dirk Paessler: Seit meiner Jugend begleitet mich die Fotografie durchs Leben, erst analog, seit den ersten bezahlbaren Digicams dann digital – heute neben DSLR und GoPro auch öfter mit dem iPhone. Irgendwann in den letzten 30 Jahren bemerkte ich, dass sich durch das Fotografieren meine Wahrnehmung der Umwelt verändert hat. Ich wurde aufmerksamer, lernte besondere Lichtstimmungen zu schätzen, lebe mehr im hier und jetzt.

Die Umwelt fotografiere ich so wie ich sie vorfinde – ich verändere die Szene nicht, bevor ich den Auslöser drücke. In meinen Bildern möchte ich die Schönheit der Welt zeigen und kleine Geschichten erzählen – egal ob Natur, Menschen, oder von-Menschenhand-Gemachtes. In der Öffentlichkeit und im Internet zeige ich nur Natur, Landschaften und Urbanität – die Portraits bleiben eher Privatsache.

Die Arbeit in der digitalen Dunkelkammer gehört für mich zum Prozess des Fotografierens dazu. Für mein Verständnis ist es erlaubt, ein Foto im Photoshop nachzubearbeiten und z.B. den „Bilddruck“ zu erhöhen, wenn der Eindruck des Gesamtwerkes davon profitiert. Meine Little Planets sind z.B. ohne massiven Eingriff nicht möglich – und am Ende kommen besondere Bilder dabei heraus.

Weil ich das Thema Fotografie mit viel Begeisterung, aber bewusst ohne kommerziellen Anspruch betreibe – als Ausgleich zu meinem Beruf als Gründer und CEO einer Internet-Software-Firma mit inzwischen über 130 Mitarbeitern (www.paessler.com) – ist jederzeit viel Raum da für Experimente und neue Ideen. Ich kann mich mit einem Thema kürzer oder länger beschäftigen, ohne Rücksicht darauf, ob genügend gute Bilder für ein Buch oder einen Kalender herauskommen. Diese Freiheit genieße ich sehr.

Flushing Meadows Stadium (NYC)
Flushing Meadows Stadium (NYC) – Dirk Paessler

Was meinen Sie ist wichtiger für die lang anhaltende Karriere eines ambitionierten gestaltenden Künstlers? Frühe Anerkennung durch Kunstexperten oder schnelle Verkaufserfolge bei Medien bzw. künstlerischen Laien?

Dirk Paessler: Wie oben schon beschrieben, die kommerzielle Seite der Fotografie ist nicht mein Weg. Wenn ich diese Fragestellung aus Unternehmersicht betrachte, ist für jedes Projekt ein früher Feedback-Loop wichtig für die weitere Entwicklung – egal von wem das Feedback kommt. Die Herausforderung besteht darin, auf dieses Feedback einzugehen und dabei seinen eigenen Weg nicht aufzugeben. Und Durchhalten, auch wenn es Jahre dauert. In der modernen Welt, wo jeder mit einer 300 Euro Kamera brauchbare Digitalfotos machen kann, wird es zunehmend schwerer, mit guter Fotografie sein Geld zu verdienen. Aber nie war es einfacher als heute mit einem Nischenangebot ein Nischenpublikum zu erreichen über das Internet. Außergewöhnliche Ideen für kleine Zielgruppen werden immer funktionieren.

Welche künstlerischen Vorbilder haben Sie? Was meinen Sie, war deren Schlüssel zum Erfolg? Was wenden Sie davon bereits an?

Dirk Paessler: Fotografen, deren Werk ich bewundere sind u.a. Henry Cartier-Bresson, Ansel Adams, Andreas Gursky, Yann Arthus-Bertrand, Richard Avedon, Vivian Mayer. Eine bunte Mischung, die Letzte hätte ihre fabelhaften Fotos fast mit ins Grab genommen… Ich denke alle haben einen besonderen Blickwinkel auf die Welt und ihre Leidenschaft kombiniert mit Durchhaltevermögen. 

Stitched Panorama
Manhattan – Dirk Paessler

Inwieweit verbessern innovative Vermarktungsplattformen für Bilder (z.B. Stockfoto-Agenturen) die Möglichkeiten der Kreativen entdeckt und anerkannt zu werden?  

Dirk Paessler: Gerade wenn man eine eigene Bildersprache hat und von einem besonderen Thema außergewöhnliche Fotos macht kann man heute durch das Internet neue Kundenkreise in der ganzen Welt erreichen. Das ist ganz anders als früher.

Weiterführende Informationen zu Dirk Paessler:
Website: www.dirkpaessler.com
Bloghttps://dirksphotoblog.wordpress.com/

Flickrhttps://www.flickr.com/photos/dirkpaessler

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