Wie lassen sich Kalender und Puzzles auf Social Media aufmerksamkeitsstark präsentieren, auch ohne großes Budget oder aufwendige Videoproduktion? CALVENDO-Autorin Cristina Melas zeigt, wie sie mithilfe von KI kurze Werbevideos für Instagram erstellt. Im Interview gibt sie praktische Einblicke in ihren Arbeitsablauf und teilt ihre Tipps für den Einstieg.
Frau Melas, Sie haben schon einige KI-generierte Werbevideos für Ihre Kalender und Puzzle erstellt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihre Produkte auf diese Weise zu präsentieren?
Ein Kalender lebt von Emotion – man muss die Haptik, die Farben und die Stimmung eines Motivs spüren können, und ein einzelnes Produktfoto schafft das nur bedingt.

Ich habe gemerkt, dass ein kurzes, bewegtes Bild auf Instagram viel eher hängen bleibt und Lust macht, genauer hinzuschauen. Gleichzeitig fehlen mir die Zeit, das Budget und das Equipment für klassische Videoproduktionen. KI-Werbevideos sind für mich die logische Brücke: professionell wirkende Bewegtbilder, die ich neben allem anderen im Alltag realistisch in kurzer Zeit selbst produzieren kann. Ein Video-Reel hat für mich auf Instagram mehrere handfeste Vorteile: Reichweite, Sichtbarkeit und Engagement, Storytelling-Möglichkeiten, vielseitige Platzierung sowie ein langfristiger Effekt.
Welche KI-Programme und Tools nutzen Sie für die Erstellung Ihrer Videos? Welche Kosten entstehen dabei und welche technischen Voraussetzungen sind erforderlich?
Ich arbeite mit der App Zeely, einem KI-Marketing-Tool, das ursprünglich für den Ad-Bereich entwickelt wurde, sich aber hervorragend für organische Instagram-Inhalte zweckentfremden lässt. Zeely erstellt aus Produktfotos oder einem Produktlink automatisch sprechende Videos mit KI-Skripten und KI-Avataren, inklusive Musikunterlegung. Technisch braucht es nicht mehr als ein Smartphone und die App; das Modell läuft über ein Abonnement, dessen Umfang sich nach Nutzung und gewünschten Zusatzfunktionen wie dem Ad-Launch richtet. Für mich als Kalender- und Puzzleautorin reicht dabei bereits der Basisumfang, um Videos für die eigene Instagram-Präsenz zu erstellen. Auch Google AI Plus ca. $4.99 bis $7.99/Monat enthält u. a. Videogenerierung.
Wie entsteht ein solches Werbevideo konkret? Können Sie uns den Ablauf von der ersten Idee bis zum fertigen Video kurz beschreiben? Wie integrieren Sie dabei Ihre Kalender oder Puzzles in das Video?
Am Anfang steht immer das Produkt selbst: Ich fotografiere den Kalender oder das Puzzle – etwa ein Motiv aus meiner Dackel-Glück-Linie – in einer schönen Umgebung, auf dem Schreibtisch, im Wohnzimmer oder als Detailaufnahme der Haptik. Ein Mock-up geht auch. Diese Bilder lade ich in Zeely hoch und wähle daraus ein KI-generiertes Skript, das die Vorzüge des Produkts erklärt oder gebe den Text selbst ein: die Motivauswahl, die Druckqualität, den Geschenkgedanken. Dazu kommt ein KI-Avatar, der den Text spricht, sowie passende Musik. Anschließend feile ich am Wording, damit es zu meiner Marke passt, und rendere das fertige Video. Zum Schluss schneide ich es für das jeweilige Instagram-Format – Reel oder Story – zurecht und ergänze eigene Bildunterschriften mit Bezug zu meiner selbst entworfenen Webseite www.cristinamelas.ch oder dem Calvendo Online-Shop und den Hashtags.
Wie wichtig ist der richtige Prompt für das Ergebnis? Haben Sie Tipps entwickelt, wie sich besonders gute Ergebnisse erzielen lassen?
Sehr wichtig – die KI kann nur so gut sein wie die Informationen, die sie bekommt. Je konkreter ich das Produkt beschreibe, desto treffender wird das Skript: Statt „schöner Kalender“ schreibe ich lieber „A3-Wandkalender mit Dackelmotiven, ideal als Geschenk für Hundeliebhaber, hochwertiges Bilderdruckpapier“. Auch beim Avatar und beim Ton lohnt es sich, mehrere Varianten zu testen, denn nicht jede Stimme oder jedes Tempo passt zur eigenen Markenstimmung. Mein wichtigster Tipp: die KI liefert einen guten Rohentwurf, aber den letzten Feinschliff wie z.B. die persönliche Note oder den Bezug zur eigenen Geschichte sollte man immer selbst ergänzen.
Wie viel Zeit benötigen Sie durchschnittlich für ein fertiges Video?
Von den ersten Produktfotos bis zum fertigen, veröffentlichungsreifen Video vergehen bei mir meist zwischen 30 und 45 Minuten. Das eigentliche Rendern in der App dauert nur wenige Minuten, den größeren Teil der Zeit investiere ich ins Fotografieren des Produkts und ins Feintuning von Text. Im Vergleich zu einer klassischen Videoproduktion mit Kamera, Schnittprogramm und eigenem Sprechertext ist das ein Bruchteil des Aufwands. Klassische Produktionen kosten schnell mehrere hundert bis tausende Franken pro Video. KI-generierte Social-Media-Videos sind oft fast kostenlos und können in Minuten generiert werden. Kein Warten auf Wetter, Licht oder Verfügbarkeit von Personen.
Was funktioniert bei KI-generierten Werbevideos aus Ihrer Erfahrung besonders gut – und wo stoßen die Programme noch an ihre Grenzen?
Besonders gut funktioniert die Geschwindigkeit: Ich kann eine Idee haben und nach kurzer Zeit ist mein Video bereits online zu sehen. Auch die KI-Avatare wirken mittlerweile erstaunlich natürlich und schaffen die persönliche, vertrauensvolle Ansprache, die ich mir für meine Marke wünsche. An Grenzen stößt die Technik dort, wo es um sehr feine Details geht – etwa die exakte Wiedergabe von Wörtern in deutscher Sprache und Emotionen wiederzugeben. Auch Farbnuancen eines Drucks oder die Haptik eines Puzzles lassen sich per Video ohnehin nur begrenzt vermitteln. Das Skript braucht fast immer eine redaktionelle Nachbearbeitung, damit es nach mir und meiner Marke klingt und nicht nach einer generischen Werbeaussage. Für ein professionelles Marken-Reel sind KI-Videos nicht immer ideal. Ich bin jedoch überzeugt, dass das in Zukunft auch verbessert wird.
Sie setzen Ihre Videos auf Instagram ein. Nutzen Sie auch andere Plattformen? Haben Sie bereits festgestellt, welche Arten von Videos oder welche Inhalte bei den Betrachtern besonders gut ankommen?
Instagram ist meine Hauptplattform, unter @cristinamelas_calendarauthor. Ich teile dort regelmäßig Einblicke in meine Arbeit und präsentiere meine Produkte. Mir fehlt die Zeit um alle Social Media Kanäle professionell zu bewirtschaften. Instagram eignet sich für mich am besten. Ich kann Posts auch direkt an potenzielle Käufer:innen als Nachricht schicken. Ich habe beobachtet, dass am besten Inhalte ankommen, die einen echten Entstehungsprozess zeigen – wie ein Kalendermotiv von der Bildidee bis zum gedruckten Produkt entsteht – sowie kurze, emotionale Clips, die den Geschenkgedanken transportieren: der Kalender im weihnachtlichen Wohnzimmer, das Puzzle als gemeinsame Familienaktivität, der Tischkalender als Blickfang im Büro. Solche Videos wecken deutlich mehr Interaktion als reine Produktabbildungen. Auch nehme ich meine Followers mit auf meine nächste Ferienreise, indem ich vor Ort Bilder teile und den Entstehungsprozess zeigen werde. Quasi von der Idee zur Verwirklichung eines Kalenderprojektes. Denn gerade bei einem «Behind-the-Scenes»-Ansatz kann ich Authentizität vermitteln.
Haben Sie den Eindruck, dass die Videos die Aufmerksamkeit für Ihre Produkte erhöhen? Gibt es Reaktionen, Klicks oder vielleicht sogar Verkäufe, die Sie auf Ihre Videowerbung zurückführen können?
Ja, absolut. Seit ich Videos einsetze, beobachte ich mehr Interaktionen unter den Beiträgen. Klicks in Richtung meiner Webseite kann ich noch nicht bewerten und Verkäufe über den Calvendo-Shop kann ich nicht nachverfolgen. Ein Bewegtbild schafft einfach mehr Aufmerksamkeit im Feed als ein Standbild. Das zahlt direkt auf mein eigentliches Ziel ein: mit meinen Kalendern echte Freude und Inspiration zu schenken – im Büro, zu Hause, als Geschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten, aber auch als Zeichen der Wertschätzung, das Firmen ihren Mitarbeitenden und Kundinnen und Kunden machen können.
Welche Tipps würden Sie anderen Autorinnen und Autoren geben, die zum ersten Mal ein KI-Werbevideo für ihre eigenen Produkte erstellen möchten?
Einfach anfangen und nicht auf Perfektion warten – die Tools sind so benutzerfreundlich, dass ein erstes Video oft schon nach wenigen Minuten fertig ist. Wichtig ist, gute Ausgangsfotos zu haben, denn davon hängt die Qualität des gesamten Videos ab. Und bedenken Sie: Das KI-Skript ist ein Ausgangspunkt, kein Endergebnis. Die eigene Stimme und die persönliche Geschichte hinter dem Produkt sollten immer erhalten bleiben, sonst wirkt der Auftritt austauschbar. Zuletzt würde ich empfehlen, verschiedene Formate auszuprobieren und genau zu beobachten, was bei der eigenen Community ankommt. Die KI verbessert sich rasant, und in ein paar Wochen kann schon wieder alles anders und professioneller sein. Wichtig ist, dass man mit der Zeit geht und sich mit der KI vertraut macht. So hat man die Chance, neue Wege zu gehen und Bewährtes zu integrieren.
Sie haben über Jahre diverse Kalenderprojekte über CALVENDO veröffentlicht. Was reizt Sie an der Zusammenarbeit mit CALVENDO? Können Sie unseren Lesern etwas über Ihre Erfahrungen erzählen?
CALVENDO nimmt mir den gesamten Produktions- und Logistikteil ab, sodass ich mich auf das konzentrieren kann, was ich neben meinem Beruf am liebsten mache: Motive kuratieren und Kalender gestalten. Besonders schätze ich die exzellente Druckqualität mit brillanten Farben auf hochwertigem Bilderdruckpapier, die nachhaltige Produktion im Print-on-Demand-Verfahren ohne Überproduktion, die internationale Verfügbarkeit über CALVENDO, Amazon, eBay und den stationären Buchhandel per ISBN sowie die Möglichkeit, Kalenderprojekte in verschiedenen Sprachen zu veröffentlichen. So erreichen meine Kalender – und mittlerweile auch Puzzles und Wandkunst – weit über die Schweiz hinaus Menschen: vom privaten Zuhause bis ins Büro, als Geschenk für die Familie oder als Wertschätzungsgeste von Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitenden und Kundinnen und Kunden. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen Mitarbeiter:innen von CALVENDO für die stets freundliche und gute Zusammenarbeit bei der Entstehung eines Projekts bedanken.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Melas! Und wir sind schon sehr gespannt auf Ihre weiteren Werke und Videos!
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